Zustellungsurkunde ohne Beweiswert

10. Januar 2006

Welche formalen Vorschriften muss eine Behörde beachten, wenn sie Bürgern einen Bescheid schriftlich zustellt und sich dabei einer so genannten Postzustellungsurkunde bedient? Die Zahl dieser Vorschriften ist außerordentlich gering, sagt der Bundesfinanzhof in dem Urteil vom 13. Oktober 2005, Aktenzeichen IV R 44/03, das er direkt nach Neujahr veröffentlicht hat. Aber diese wenigen Formalien müssen die Beamten tatsächlich einhalten.

Im Urteilsfall hatte der Post-Zusteller keinen Empfänger angetroffen, einen amtlichen gelben Benachrichtigungszettel in den Briefkasten geworfen und die verschlossene Sendung beim Postamt hinterlegt. Tatsächlich enthielt der Umschlag Diesen Beitrag weiterlesen »

Richterliche Rechthaberei zu Lasten der Bürger?

9. Januar 2006

Der BFH desavouiert eine Initiative des Verfassungsgerichts. Die Münchner Richter lassen ein Gesetz ins Leere laufen, welches das Parlament auf Karlsruher Verlangen – aber gegen das Votum des BFH – beschlossen hat.

Vor dreizehn Monaten verabschiedete der Bundestag ein Gesetz, das eine Lücke im Rechtsschutz schließen soll. Dieses „Anhörungsrügengesetz“ verpflichtet die Gerichte, ein eigentlich abgeschlossenes Gerichtsverfahrens auf eine außerordentliche Beschwerde des Betroffenen hin fortzusetzen. Voraussetzung ist, dass alle sonstigen Rechtsmittel erschöpft Diesen Beitrag weiterlesen »

Richter, Künstler, Blogger

1. Januar 2006

In der Musik ist das Einspieldatum der Termin, zu dem ein Konzertmeister mit seinem Symphonieorchester beispielsweise Beethovens 9. Symphonie (opus 125) mit Schillers Ode an die Freude aufgeführt und aufgenommen hat. Zwischen dem Einspieldatum am 1. Januar 2006 und der Uraufführung am 7. Mai 1824 liegen dann annähernd zwei Jahrhunderte. Diesen Beitrag weiterlesen »

BGH erspart Autoversicherern die Umsatzsteuer

28. Dezember 2005

Muss eigentlich eine Kfz-Versicherung bei einem Totalschaden separat auch die anteilige Umsatzsteuer eines Ersatzfahrzeugs bezahlen, soweit sie dem Restwert des früheren Fahrzeugs entsprach? Am 19. Juli 2002 hat das Parlament den einschlägigen Paragrafen 249 des BGB um einen Satz ergänzt, der die Versicherungen an dieser Stelle entlastet (s.u.). Zwei Tage vor Weihnachten gab der Bundesgerichtshof bekannt, dass diese Entlastung der Versicherungen ziemlich weit geht. Diesen Beitrag weiterlesen »

Plagiate im Netz

8. Dezember 2005

Viele Anbieter wolle im Internet Geld verdienen. Daran ist nichts zu tadeln. Wer eigene Leistungen zur Verfügung stellt, will davon leben oder daraus einen Ertrag für sein Unternehmen erwirtschaften. Es gibt aber auch Anbieter, die bieten fremde Leistungen als eigene an. So beispielsweise gestern der Diesen Beitrag weiterlesen »

Neues Leben für das alte Zweikontenmodell

7. Dezember 2005

1999 kam es zu einer formalistischen gesetzlichen Korrektur einer ebenfalls überaus formalistischen Grundsatzentscheidung des Bundesfinanzhofs vom Vorjahr. Der BFH hatte 1998 den manipulativen „Mehrkontenmodellen“ seinen höchstrichterlichen Segen erteilt. Das Parlament entzog diesen Modellen daraufhin die Rechtsgrundlage. Doch für Unternehmen mit einem ordentlichen Finanzpolster sind die alten Modelle jetzt teilweise wieder nutzbar geworden. Das belegt eine heute veröffentlichte Pressemitteilung des Bundesfinanzhofs.

In den späten 90er Jahren prägte die Diskussion um die Zwei- und Mehrkontenmodelle die Atmosphäre in der Steuerszene. Zwei Richterfraktionen stritten damals Diesen Beitrag weiterlesen »

Steuerberatungskosten: Daran hat keiner gedacht

6. Dezember 2005

Die Bundesregierung beabsichtigt, Steuerberatungskosten künftig nicht mehr zum Abzug als Sonderausgabe zuzulassen. Weiterhin bleiben solche Kosten jedoch abzugsfähig, wenn sie von ihrer Art her Betriebsausgabe oder Werbungskosten sind. Damit sind vor allem Arbeitnehmer von dieser Reform betroffen. Auf eine verblüffende Konsequenz dieses Reformvorhabens machte soeben Rolf Schwedhelm aufmerksam, der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Steuerrecht im Deutschen Anwaltverein (DAV).

Schwedhelms Hinweis: Auch bei Personengesellschaften – Gesellschaften bürgerlichen Rechts (GbR), Kommanditgesellschaften (KG) oder offenen Handelsgesellschaften (oHG) – wird dies Abzugsverbot künftig Diesen Beitrag weiterlesen »

Steuer auf Biosprit

6. Dezember 2005

Die bisherige steuerliche Förderung von Biodiesel gerät zunehmend in die Kritik. Neue Argumente dazu bringt ist eine am 1. Dezember vorgestellte Expertise der beiden Essener RWI-Forscher Manuel Frondel und Jörg Peters, die eine wachsende Besteuerung dieses Treibstoffs empfehlen. In die Diskussion schaltete sich gestern der SPD-Politiker Joachim Poß ein und umriss die Änderungen, die der Koalitionsvertrag dazu vorsieht. Mit dieser Linie sind vor allem die Landwirte nicht zufrieden. Entsprechend hatte zuvor die FDP-Bundestagsfraktion die Koalition in einer scharf formulierten Pressemitteilung der Abgeordneten Christel Happach-Kasan wegen dieser Pläne angegriffen. Die FDP-Abgeordnete ist keine Finanzpolitikerin, sondern gehört dem Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz an.

In der Einleitung der RWI-Studie heißt es:

… der stark zunehmende Einsatz von Biodiesel, welcher hauptsächlich aus Raps gewonnen wird, (führt) zwar tatsächlich zur Minderung der Treibhausgasemissionen .. . Die gesamte Ökobilanz fällt jedoch weniger klar zu Gunsten von Biodiesel aus. Schuld daran sind Diesen Beitrag weiterlesen »

Gesetzentwürfe im Internet

3. Dezember 2005

Die Entscheidungsvorlagen der schwarzroten Regierungskoalition zur Änderung des Steuerrechts stehen als elektronische Vorabfassungen auf den Internetseiten des Bundestags bereit. Unterschrieben haben “Volker Kauder und Dr. Peter Ramsauer und Fraktion” für die CDU/CSU-Fraktion, “Dr. Peter Struck und Fraktion” für die SPD-Abgeordneten. Durch dies Vorgehen umgeht die Koalition die Fristen, welche für Gesetzentwürfe der Regierung eigentlich gelten. Anders wäre es nicht möglich, die rechtlichen Änderungen noch rechtzeitig zum Jahresende zu beschließen.

Im einzelnen sind veröffentlicht:

  • der “Entwurf eines Gesetzes zum Einstieg in ein steuerliches Sofortprogramm“;
  • der “Entwurf eines Gesetzes zur Abschaffung der Eigenheimzulage“;
  • der “Entwurf eines Gesetzes zur Beschränkung der Verlustverrechnung im Zusammenhang mit Steuerstundungsmodellen“.
  • Abzugsverbot: Steuerberater freuen sich erst mal

    3. Dezember 2005

    Der Deutsche Steuerberaterverband klagt bitter darüber, dass die neue Bundesregierung die Einnahmen der Steuerberater nicht mehr als Sonderausgaben bei ihren Kunden (Mandanten) anerkennen will. Das ist verständlich. Aber eine klammheimliche Freude kann der Verband trotzdem nicht verhehlen: Zum Jahresende lassen sich die Mandanten zum pünktlichen oder gar vorzeitigen Zahlen der Rechnung drängen. Denn die Neuregelung soll bereits ab dem 1. Januar gelten, und wer dann erst zahlt, kann steuerlich das Nachsehen haben. Der Verband hat eine entsprechende Pressemitteilung veröffentlicht, welche die Verbandsmitglieder ihren Mandanten ganz beiläufig weiterleiten können. Auch die Presse hat der Verband aufgefordert, diese Mitteilung zu verbreiten. Das könnte bei den Beratern zum Jahresende eine kleine Einnahmenverbesserung auslösen, der aber im nächsten Jahr vermutlich entsprechende Ausfälle folgen.
    Michael Weisbrodt